Am 26.9.2017 hatte die LVZ ein anonym bleiben wollendes SPD-Mitglied zitiert, die SPD mache zu viel „Gender-Gedöhns“, was Verluste der SPD in der Bundestagswahl teilweise begründe.

Katharina Kleinschmidt, Vorsitzende der ASF Leipzig (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) und Gleichstellungsbeirätin der Stadt Leipzig, widerspricht dieser Darstellung: „Die unterschwellige Behauptung, das schlechte Abschneiden der SPD in der Bundestagswahl wäre auf zu viel „Gender-Gedöhns“ zurückzuführen, ist unsinnig wie abwegig. Das Thema hat in diesem Wahlkampf keine dominante Rolle gespielt.“ Gender Mainstreaming, so Kleinschmidt, bedeute überdies nichts anderes, als dass die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern in politischen Prozessen Berücksichtigung finden. Hierzu habe sich u. a. auch die Stadt Leipzig bereits im Jahr 2002 bekannt.

Kleinschmidt, die ebenfalls stellvertretende Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Leipzig ist, weiter: „Als SPD setzen wir uns auch weiterhin für Gerechtigkeit ein. Diese ist nicht differenzierbar und kann nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir müssen auch vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses damit aufhören, mit kurzsichtigen und vereinfachenden Patentrezepten die Zukunft gestalten zu wollen.“ Man sehe, wohin Populismus jeder Art führe. Gerade die SPD Leipzig habe sich bisher dahingehend sichtbar und erfolgreich gegen alle Seiten abgegrenzt. Auf allen Ebenen müsse sich jetzt eine Kultur des Zuhörens und Nachfragens – und auch der Empathie – etablieren. „Die sozialdemokratische Idee ist so stark, dass sie Wege aus der Krise finden wird, ohne grundsätzliche Werte zu leugnen.“ Kleinschmidt schließt ab: „Die ASF Leipzig wird sich weiter für eine paritätische Teilhabe von Frauen in der Politik einsetzen und wir wissen den SPD-Stadtverband hinter uns. Möglicherweise würden mehr Frauen in der Politik auch dazu führen, dass Profilneurosen von selbsternannten Politstrategen künftig weniger Raum einnehmen.“